Auch wenn aktuell sehr viel über das „Gendern“ gesprochen und gestritten wird – in der sprachlichen Realität ist die gesellschaftliche Wirklichkeit (es gibt mehr als zwei Geschlechter) bislang nicht angekommen.
Dabei ist dieser Aspekt für Menschen wie mich, die sich außerhalb der Binarität zwischen männlich und weiblich verorten, sehr wichtig! Wenn von „Damen und Herren“ die Rede ist, sind wir schlichtweg nicht dabei. Und leider gibt es immer noch größere Institutionen und Unternehmen, die in ihren Formularen den Eintrag „Herr“ oder „Frau“ als Anrede anbieten – sonst nichts. Tatsächlich entspricht diese Praxis nicht mehr der aktuellen Gesetzeslage – auch wenn mir eine Versicherung aktuell mitteilte, leider sei es nicht möglich, den Vertrag „dahingehend anzupassen“. Man würde „mit Hochdruck“ an einer Lösung arbeiten. Soso – leider ist das wenig glaubhaft, da das Selbstbestimmungsgesetz ja immerhin schon rund ein Jahr alt ist. Es werde deshalb mein „biologisches Geschlecht“ im System hinterlegt. Mit anderen Worten: Ich werde als Kunde eben mal so diskriminiert.
Schluss mit dem Unsinn!
Ganz offiziell bin ich weder Mann noch Frau – und ich möchte bitteschön auch, dass das zumindest in offiziellen Dokumenten akzeptiert wird. Inzwischen werde ich dazu übergehen (müssen), bei Problemen mit der Anrede dann eben den Anbieter zu wechseln. Diskriminierungen muss ich ja nicht noch Vorschub leisten.
Im alltäglichen Leben fehlt mir allerdings noch oft die Energie, den – tatsächlich penetranten – falschen Sprachgebrauch zu korrigieren. Denn: Ich möchte, nein ich WILL nicht mit „Herr“ angesprochen werden. Und ich möchte auch nicht als Mann tituliert werden. Allenfalls als Funktionsbezeichnung, wenn meine Frau mich als „meinen Mann“ beschreibt. Meinetwegen.
Und ein bisschen provokativ: Ich werde mir keine Brüste wachsen lassen, nur damit Ihr damit aufhört, mich in die falsche Schublade zu stecken. Gewöhnt Euch daran, dass ich nicht in Euer übliches CIS-Raster passe und behandelt mich bitte etwas rücksichtsvoller – auch in der Ansprache. Danke.
Wie ist es richtig?
Statt „Herr B…“ bitte einfach die Anrede weglassen oder meine Vornamen benutzen. Sie lauten Peter Carla. Auch die Anrede „Divers“ auf dem Briefumschlag ist echt Panne.
Statt „der Mann da drüben“ könnte man die Formulierung ändern oder meine Vornamen benutzen.
Und Ihr könntet ja auch mal ausprobieren, nicht die Pronomen „er“ und „sein“ zu nutzen, sondern auch hier die Formulierung zu ändern. Oder mal ein Neopronomen („they“) ausprobieren.
Ich weiß: Für Euch ist das nicht so wichtig – aber ich fühle mich wertgeschätzt, wenn ich auch sprachlich berücksichtigt und ernst genommen werde. Ihr seht es an meinem Lächeln!
(August 2025)